Politische Diskussionen
Neuigkeiten von der #GPN23
Seid Donnerstag, den 19.06.2023 läuft wieder die alljährliche Veranstaltung “Gulaschprogrammiernacht” des Chaos Computer Club Karlsruhe.
Die Veranstaltung gehört neben dem Chaos Communication Congress in Hamburg zu den größten Hackerveranstaltungen in Deutschland.
Es handelt sich dabei um eine viertägige Veranstaltung auf der die einzelnen Ortsgruppen des CCC ihre Projekte vorstellen und sich austauschen.
Die Zahl 23 ist übrigens nicht eine falsche Jahreszahl sondern die laufende Nummer der Veranstaltung. Es handelt sich um die 23ste Iteration.
Chaos ist politisch
In den einzelnen Ortsgruppen wird es nicht immer gleich auffällig, dass es beim Chaos nicht immer nur um Computer geht.
Sowohl der Dachverein, auch Liebevoll das Große C genannt, als auch der jährliche Congress sind eher von der radikalen, subversiven Sorte.
Wer die Anfänge des Clubs ein bisschen kennt, sieht schnell dass die Gründung in den Räumen der als eher links angesehenen Zeitung TAZ maßgebend für die weitere Entwicklung war.
In sämtlichen - zugegebenermaßen niemals “offiziellen” - Publikationen der Schlüsselfiguren des CCC wird auch schnell klar wo sich der Club politisch verortet.
Liest man die Hack Bibel, hört den Podcast “Chaos Radio Berlin” oder andere “chaosnahe” Medien, wird offensichtlich dass es nicht um neutralität geht, auch nicht gehen sollte. Es geht um Menschenrechte, um Freiheit und das Aufdecken von offenen oder Verdeckten Angriffen auf diese Grundrechte.
So ist das Chaos bekannt für die Aufdeckung verschiedener Skandale wie zum Thema Volkswagen und Patientenakte, sowie viele weitere.
Entspann dich doch mal!
Leider ist politik nicht immer angenehm. Das Thema ist gefühlt in aller Munde, jedoch ändert sich nichts zum besseren, zur Zeit.
Viele besuchen Hackspaces und auch Chaos events um sich vom Alltag zu lösen, wollen nicht mehr mit dem ständigen politichen Treiben umgehen. Das ist völlig verständlich.
Das führt dann zu Spannungen. Während einige wenige sich mit Politik befassen um zu versuchen, sie soweit zu verstehen um sie nutzen zu können, so reagieren andere fast konsequent ablehnend auf das Konzept.
Beide Extreme sind im Chaos meiner Auffassung nach nicht Hilfreich.
Natürlich muss es auch Platz für anderes geben, doch neue politische Perspektiven zu hören ist eben auch Teil des Events.
Wohlfühl Antifa
“Siamo tutti antifa” so geht es in einem recht bekannten Lied der Band “Disarstar”. Ein “Banger” unter den politischen Songs von links, könnte man sagen.
Doch auch die Aussage “wir sind alle Antifa” hat ihre Schattenseiten. Denn natürlich sind wir ja alle gegen Abschiebung und gegen Menchenrechtsverletzungen aber uns einlesen und verstehen, wofür oder wogegen wir sein wollen, das möchten wenigr HackerInnnen.
So kommen immer wieder “bürgerliche” Perspektiven im Chaos zu wort die versuchen zu beschwichtigen. Selbst rechte, sogenannte neoliberale Stimmen finden in manchen Erfas gehör.
Es entsteht ein gefährlicher Mix aus “angenommenem” oder “geduldetem” Antifaschismus. Das liest sich zwar nett und ist schön bunt, hilft aber jungen Frauen in Folterknast in Ungarn, die seit Wochen den letzten Widerstand, den Hungerstreik leisten, wenig.
Deswegen ist es so wichtig, dass wir trotz aller Widersprüche in unserer Existenz als teils gut bezahlte Nerds nicht wegsehen und einfach die Hände in die Luft werfen.
Auffällig ist, dass es unter den Besuchenden enorm viele weiblich gelesene und nicht Geschlechterbinäritätskonform gelesene Personen gibt.
Das ist wiederum die einzig deutlich auffällige Minorität in den Reihen des Chaos. People of Colour, migrantisierte und armutsbetroffene werden immernoch nicht wirklich wahrgenommen. Zumindest wirkt es auf mich so.
Kapitalismus Hype
Die Folgen des kapitalistischen Raubbaus an Mutter Erde und besonders an marginalisierten Gruppen (die hier ja nicht vorhanden sind) ist nicht wirklich offensichtlich und wird demnach selbst in Diskussionen ausgeblendet.
Selbst in einem Vortrag über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus wird unverholen redscare betrieben. Nicht nur werden die eigenen Privilegien der Erzählenden nicht beleuchtet (oder nur implizit) sondern auch normalisiert.
Das ist “man als nerd” halt einfach schwer ersetzbar und kann dann lange Militärdienst im sicheren Bunker leisten wo Kopfarbeit gemacht wird, während andere Mitbürger auf elendigste Art auf dem Schlachtfeld verrecken. Darüber wird aber kein Wort verloren, ist es ja unangenehm in unserer heiteren Blase.
Dann wird mal schnell der Sozialismus gebasht, sozialistische Staaten gebasht, alles mal so nebenher. Sind ja schließlich auch authoritäre Staaten gewesen und kein geheiligter “Rechtsstaat” oder die “Demokratie”.
Ja, die demokratie, die alle ostbürger damals ihrem Erbe beraubt hat und an den meistbietenden verschachert. Die Demokratie, die überhaupt erst den Verdruss auslöst, weil die Dinge eben nicht getan werden, die den Menchen helfen würden. Sprich Recht auf Wohnen, Bedingungsloses Grundeinkommen. Alles Übrigens sozialistische Erfindungen.
Politisch sehr homogen
Der Gesamteindruck kann gerne als “linksliberal” verstanden werden. Also das, was eigentlich mal eine SPD war, eigentlich mal die Grünen (ich nenne sie heute Kameradschaft 90) waren.
Das ist natürlich ein sehr unerfreuliches Unterfangen auf einem Event, auf dem der Anarchistische Hackerstern an der Wand hängt. Dass es eigentlich stark antikapitalistische Strömungen in linken Kreisen gibt, und zu guten Gründen, das schockiert besuchende.
Es schmerzt mich das sagen zu müssen aber politich ist hier gefühlt außer Talks nicht viel zu holen.
Das klassische “hier ist euer Feindild! Dieses symptom muss bekämpft werden” verdeckt meines Erachtens die Ursache und verhindert die Lösung.
Natürlich muss ein so großer Club viele Leute abholen und will auch nicht direkt verboten werden. Doch etwas mehr Radikalität halte ich durchaus für Angemessen.